Helfen ohne Auftrag – Helfer:innen von nebenan
Wir hatten zur Nominierung stiller Helden aufgerufen. Menschen, die einfach so Gutes tun. Die helfen, ohne gefragt zu werden. Die selbstlos handeln, weil sie sehen, dass jemand Unterstützung braucht – und nicht wegschauen.
Was zunächst als eine Idee im Rahmen unserer monatlichen Treffen begann, wurde schnell zu etwas Größerem: zu vielen berührenden Geschichten über Menschlichkeit, Mitgefühl und Zusammenhalt in Spenge und Umgebung.
Helfen ohne Auftrag – und doch unbezahlbar
Manchmal sind es die kleinen Gesten, die den größten Unterschied machen:
Ein Nachbar, der den Rasen mitmäht, weil er merkt, dass die Knie nicht mehr so wollen.
Eine junge Frau, die regelmäßig bei den Hausaufgaben hilft, damit ein Kind bessere Chancen hat.
Oder jemand, der ganz selbstverständlich zum Arzt fährt, einkauft oder einfach zuhört.
Diese stillen Taten entstehen ohne Auftrag, ohne Absprache und ohne Bezahlung. Sie entstehen aus Achtsamkeit, Mitgefühl und Menschlichkeit. Genau diese Menschen wollte die Kaufmannschaft Spenge sichtbar machen – unter dem Titel „Spenges stille Helden“.
Eine Idee, viele Geschichten
Die Kaufmannschaft Spenge hat sich zusammengeschlossen, um etwas Gutes für Spenge und die Umgebung zu tun. Uns war wichtig:
Gesucht werden nicht Menschen, die von Beruf aus helfen. Sondern diejenigen, deren Antrieb die Not anderer ist. Menschen, deren Menschlichkeit stärker ist als Bequemlichkeit. Menschen, die einfach da sind – leise, selbstverständlich und zuverlässig.
Die eingegangenen Nominierungen haben eindrucksvoll gezeigt, wie viel stilles Engagement es in unserer Stadt gibt. Jede einzelne Geschichte war ein Zeichen dafür, dass Zusammenhalt kein großes Wort ist, sondern im Alltag gelebt wird.
Ehrung beim „Spenge klönt im Advent“
Am 20. Dezember war es dann so weit:
Im Rahmen des Glühwein-Umtrunks der Kaufmannschaft „Spenge klönt im Advent“ wurden zwei stille Held:innen ausgezeichnet. Zuvor hatte das Organisationsteam aus den eingegangenen Nominierungen zwei Personen ausgewählt, die exemplarisch für viele andere stehen.
Stille Heldin aus Spenge: Desiree Hendel
In einer Welt, in der viele nur auf sich selbst schauen, gibt es sie noch – die Menschen, die zuerst fragen, was sie geben können. Desiree Hendel, 29 Jahre alt aus Spenge, ist genau so ein Mensch.
Wer sie kennt, weiß: Wo Not ist, ist Desiree nicht weit. Sie hilft leise, unaufdringlich und mit einem großen Herzen. Ob in Spenge, Enger oder darüber hinaus – sie ist da, wenn jemand sie braucht.
Wenn Menschen krank werden, geht sie einkaufen, führt Hunde aus, übernimmt handwerkliche Arbeiten wie Laminat verlegen oder Wände streichen. Was eben anfällt – ohne Aufhebens, ohne Erwartungen.
Besonders berührend ist ihr Einsatz für einen obdachlosen Mann: Als er nachts krank wurde, suchte sie ihn, brachte ihn ins Krankenhaus, kümmerte sich um Einkäufe, blieb an seiner Seite und versorgte ihn mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Auch anderen obdachlosen Menschen begegnet sie mit Aufmerksamkeit und kleinen Geschenken – bezahlt aus eigener Tasche. Ohne Zuschüsse. Ohne Gegenleistung.
Darüber hinaus engagiert sich Desiree regelmäßig beim Deutschen Roten Kreuz, spendet Blut und hilft bei Aktionen für Blutspender. Für sie selbstverständlich – für andere lebensrettend.
Ihr Engagement kennt keine Grenzen: Im kommenden Jahr reist sie erneut nach Afrika, wo sie bereits ein Jahr lang geholfen hat. Mit dem Erlös selbstgemachter Produkte finanziert sie Bücher und Saatgut – und damit Bildung, Perspektiven und Hoffnung.
Und all das, während sie selbst zwei Arbeitsstellen hat.
Wenn es eine selbstlose Heldin gibt, dann ist es Desiree Hendel. Eine Frau, die leise wirkt – und Großes bewegt.
Stiller Held aus Spenge: Andreas Gittel
Manche Menschen verändern eine Stadt nicht mit großen Worten, sondern durch ihr tägliches Tun. Andreas Gittel, der seit acht Jahren in Spenge lebt, ist genau so ein Mensch.
Sein Engagement zeigt sich besonders im Repair Café. Mit Geduld, Fachwissen und viel Herz repariert er dort gemeinsam mit anderen defekte Alltagsgegenstände. Nachhaltig, ressourcenschonend und immer auf Augenhöhe. Wenn ein alter VHS-Rekorder wieder Erinnerungen abspielt oder ein Toaster erneut funktioniert, entsteht mehr als nur ein repariertes Gerät: Es entsteht Freude – und oft Staunen.
Auch für die Umwelt setzt sich Andreas ein. Bei Aktionen wie „Spenge blüht auf“ steht er selbst bei Nieselregen in Gummistiefeln am Martinsweg und pflanzt Blumenzwiebeln. Sein Lohn ist kein Applaus, sondern das Wissen, dass Spenge lebenswerter wird.
Während der Corona-Zeit war er für seine Nachbarschaft da: erledigte Einkäufe, half unaufgefordert, lieh Dinge aus oder packte einfach mit an. Manchmal auch ganz spontan – etwa beim Heckenschneiden.
Sein neuestes Engagement gilt dem Spenger Bürgerbus. Auch hier bringt er das ein, was ihn auszeichnet: Tatkraft, gute Laune und Verantwortungsbewusstsein – damit Menschen in Spenge sicher und pünktlich ihr Ziel erreichen.
Sein eigenes Motto bringt es auf den Punkt:
„Ich mecker und motze gern, bin aber im Gegenzug bereit, etwas für unsere Stadt Spenge zu tun.“
Andreas Gittel ist ein Beispiel dafür, wie wertvoll gelebtes Engagement ist. Einer, der anpackt, statt nur zu reden. Still, zuverlässig und wirkungsvoll.
Danke – und ein Blick nach vorn
Mit der Aktion „Spenges stille Helden“ sagt die Kaufmannschaft Spenge nicht nur Danke, sondern setzt auch ein Zeichen:
Menschlichkeit hat einen Wert. Sie ist das Fundament unseres Zusammenlebens.
Die beiden Geehrten stehen stellvertretend für viele weitere Menschen in Spenge, die jeden Tag helfen, ohne darüber zu sprechen. Ihnen allen gilt unser Dank.
Denn Helden tragen hier kein Cape –
sie tragen Einkaufstaschen, Gartenhandschuhe
oder einfach ein offenes Herz. 💚